„Ein Sussex, ein Rhodeländer, ein Grünleger und ein Königsberger, bitte!“ Mit diesen unromantischen Worten begann die besondere Beziehung zwischen meiner Familie und vier jungen Hühnern. Nach zwei gemeinsamen Monaten, dutzenden Eiern und einigen erfolglosen Ausbruchsversuchen sind uns unsere gefiederten Haustiere richtig ans Herz gewachsen. Zeit für ein erstes Fazit zum „Hobby Huhn“.
Wer wollte als Kind nicht gerne ein Haustier haben? Meine Frau ist auf einem Bauernhof und damit umgeben von vielen Tieren aufgewachsen. Und auch unserem fünfjährigen Sohn und unserer dreijährigen Tochter wollten wir etwas Streichelzoo-Feeling zu Hause möglich machen. Aber für einen Hund fehlt uns eigentlich die Zeit und eine Katze würde sich nicht mit den Vögeln in unserem Garten vertragen. Die Lösung? Hühner!
Meine Frau begann, sich in das Thema einzulesen und in unserem Garten einen Hühnerstall zu bauen. Ich leistete meinen Anteil, indem ich dazu „ja“ sagte und bei ein paar schweren Stallteilen mit anpackte. Hühner brauchen einen ruhigen und geschützten Platz zum Schlafen, Futter, Wasser, Kalkgrit, ein Sandbad zum Putzen und kleine Kiesel für die Verdauung. Gesellschaft ist auch wichtig. Vier sollten es deshalb werden, aber kein Hahn. Uns reicht es vollkommen, samstags um 5.30 Uhr von zwei Kindern geweckt zu werden. So machen wir kurz nach Ostern einen Ausflug zum Züchter im Landkreis und kommen mit einem Umzugskarton voller Geflügel wieder zurück. Als der Karton im Gehege aufgeht, recken unsere vier neuen Mitbewohnerinnen ihre Hälse über den Rand. Raus wollen sie aber erstmal nicht – schließlich ist ihnen ihr neues Zuhause in unserem Garten noch komplett fremd. Meine Frau hilft nach, greift sich Huhn für Huhn und lässt sie in ihr Gehege flattern. Dabei sind wir Menschen viel aufgeregter und vogeliger als das Geflügel. Also lassen wir die Vier das Gehege erst einmal in Ruhe erkunden.
Hühnerjagd bei Sonnenuntergang
Richtig Bewegung kommt erst am Abend auf: Berta, Conny, Findus und Prillan sollen für die Nacht in ihr Hühnerhaus – schließlich bedrohen sie draußen nachtaktive Fressfeinde, während drinnen die vor ihnen sowie vor Kälte und Wetter geschützte Stange wartet. Unsere neuen Haustiere stehen in der Dämmerung vor der weit geöffneten Klappe des Hühnerhauses und gucken uns erwartungsvoll an. Mehlwürmer als Köder in das Innere zu werfen hilft genauso wenig wie wildes Gestikulieren. Wir versuchen also, das Federvieh per Hand ins Innere zu befördern. Allerdings haben die Hühner so gar keine Lust, sich aufheben zu lassen. Es beginnt eine wilde Mischung aus Tanz und taktischer Teamsportart. Nach etwa 20 Minuten sind dann alle Hühner eingepfercht, meine Frau und ich erschöpft von unseren Turneinlagen und die Kinder vom Lachen.

Nach einer ruhigen Nacht öffnet sich die Hühnerklappe am nächsten Morgen automatisch. Einige Zeit später kommt auch ein kleiner Kopf zum Vorschein, gefolgt von einem gefiederten Körper. Nach und nach trauen sich die Vier wieder ins Freie. Zutraulicher ist zumindest Conny auch geworden: Sie frisst meinem Sohn buchstäblich aus der Hand und lässt sich auch streicheln.
Der dritte Tag bringt gleich zwei schöne Überraschungen. Die erste schon morgens beim Blick in den Hühnerstall: ein Ei! Leider angedetscht und damit für die Küche unbrauchbar, aber trotzdem. Die zweite schöne Überraschung ist, dass die jungen Damen sich abends komplett aus freien Stücken rechtzeitig in ihren Stall zurückziehen. Schnell ist bis zum Wochenende eine ordentliche Pfanne mit Rührei zusammen. Schon nach etwa zwei Wochen ist die Eierproduktion zuverlässig auf drei pro Tag gestiegen. Zwar sind sie etwas kleiner als im Supermarkt, schmecken dafür aber sehr gut.
Streichelzoo im eigenen Garten
Die Hennen gehören sofort fest zur Familie und haben sich gut an ihre Umgebung und den Tagesablauf gewöhnt. Sie vertragen sich meistens gut. Grünleger Findus hat sich nach kurzer Zeit als Oberhenne durchgesetzt und zwickt ihre Artgenossinnen manchmal mit dem Schnabel, aber immer ohne Verletzungen. Nachts auf der Stange kuscheln sich dann alle vier aneinander. Der Arbeitsaufwand für uns hält sich in Grenzen. Täglich müssen Stall und Gehege gereinigt werden: Kleinvieh macht ganz schön viel Mist. Alle paar Tage bekommen Futter- und Wasserspender Nachschub.
Mein fünfjähriger Sohn – Berufswunsch Bauer – geht nach dem Kindergarten immer erst auf Eiersuche im Stall. Von ihm lassen sich schon drei von vier streicheln und sogar auf den Arm nehmen, zumindest meistens. Meine dreijährige Tochter bleibt lieber etwas auf Abstand, guckt den Hühnern aber gerne beim Picken und Scharren zu. Beide freuen sich sichtlich über die tierischen Spielgefährten im eigenen Garten. Das freut wiederum meine Frau und mich. Ich habe das Federvieh schnell ins Herz geschlossen – auch, wenn ich manchmal über ihre Starrköpfigkeit und Bräsigkeit schimpfe, wenn wieder mal eines von ihnen abends in der letzten Sekunde unter der sich schließenden Hühnerklappe herausflutscht.

