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Tankt Bremerhaven die Zukunft?

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Business-Talk mit Andreas Wellbrock, Geschäftsführer von Hy.City.Bremerhaven

Grüner Wasserstoff galt lange als Zukunftsmusik. In Bremerhaven ist er längst Realität: Bei Hy.City. Bremerhaven am Grauwallring wird mit Windstrom grüner Wasserstoff produziert, an der öffentlichen Tankstelle „Zur Hexenbrücke“ getankt und bereits in Bussen, Müllfahrzeugen und Pkw genutzt. Mit dem geplanten Einsatz eines wasserstoffbetriebenen Radladers bei Georg Grube soll die Technologie nun den nächsten Praxistest bestehen. Mit Hy.City.Bremerhaven-Geschäftsführer Andreas Wellbrock sprechen wir darüber, wo Wasserstoff seine Stärken ausspielt, welche Grenzen die Technologie noch hat und warum Bremerhaven dabei eine besondere Rolle einnimmt.

MOIN: Herr Wellbrock, Bremerhaven gilt inzwischen als einer der Vorreiter beim Thema grüner Wasserstoff. Was macht die Seestadt aus Ihrer Sicht zum idealen Standort für diese Technologie?

Andreas Wellbrock: Bremerhaven ist Klimastadt, das impliziert schon unser Tun. Gleichzeitig kommen hier Windenergie, Hafenwirtschaft, Logistik, Forschung und Unternehmen zusammen, die neue, klimafreundliche Technologien praktisch erproben wollen. Unser Ansatz ist regional: Aus erneuerbarem Strom wird in Bremerhaven grüner Wasserstoff produziert und möglichst direkt vor Ort genutzt.

Was unterscheidet Ihr Konzept von anderen Wasserstoffprojekten?

Das Besondere ist die geschlossene Kette. Wir verbinden Erzeugung, Transport, Tankstelle und Fahrzeuge miteinander. Unsere Elektrolyseanlage leistet bis zu zwei Megawatt. An unserer öffentlichen Tankstelle können Busse, Lkw und Pkw grünen Wasserstoff tanken.

Mit dem geplanten Wasserstoff- Radlader bei Georg Grube soll die Technik nun auch auf der Baustelle zeigen, was sie kann. Warum eignet sich gerade dieses Einsatzgebiet für einen solchen Praxistest?

Radlader arbeiten viele Stunden unter hoher Last. Sie bewegen schwere Materialien, brauchen viel Leistung und können nicht ständig lange Ladepausen einlegen. Der Praxistest soll zeigen, wie zuverlässig und wirtschaftlich ein Wasserstoff- Radlader unter realen Bedingungen im Fischereihafen arbeitet.

Wasserstoffbetriebene Baumaschinen sind ja bislang eher die Ausnahme. Wie weit ist die Technik heute tatsächlich – und welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich von dem Projekt?

Bei schweren Baumaschinen stehen wir noch am Anfang der Markteinführung und die Technologie wird entwickelt. Es gibt Prototypen und erste Tests. Bremerhaven kann wichtige Erfahrungen sammeln: beim Verbrauch, beim Betanken sowie bei Wartung, Sicherheit und Verfügbarkeit. Erst solche Daten machen aus einer guten Idee ein tragfähiges Produkt.

Foto Wolfhard Scheer

Könnte man in so einer Maschine nicht einfach einen großen Akku verbauen? Wo liegen die Vorteile von Wasserstoff?

Batterien sind in vielen Bereichen sinnvoll. Aber nicht jede Maschine hat denselben Arbeitsrhythmus. Bei hoher Dauerleistung, großem Energiebedarf und kurzen Standzeiten kann Wasserstoff seine Vorteile ausspielen. Am Ende geht es nicht um ein „Entweder-Oder“, sondern um die passende Lösung für den jeweiligen Einsatz.

Welche Bedeutung haben Partner wie Georg Grube für die Weiterentwicklung der Wasserstofftechnologie?

Das Unternehmen kennt schwere Maschinen und anspruchsvolle Betriebsabläufe seit Jahrzehnten. Zudem ist Georg Grube Gesellschafter von HY.City. Bremerhaven und damit nicht nur Nutzer, sondern Mitgestalter der Infrastruktur. Solche Partner testen Technik nicht im Schaufenster, sondern unter echten Alltagsbedingungen.

Wasserstoff klingt für viele noch nach einer Nischentechnologie. Was haben die Menschen in Bremerhaven schon heute ganz konkret von solchen Projekten?

Zunächst einmal entstehen leisere und lokal emissionsfreie Anwendungen. Noch wichtiger ist die wirtschaftliche Perspektive: Know-how, neue Dienstleistungen und Wertschöpfung bleiben in der Region. Bremerhaven kann zeigen, wie die Energiewende ganz praktisch funktioniert – und damit ein Vorbild sein für andere Kommunen.

Tankt Bremerhaven also die Zukunft?

Ja – aber Zukunft entsteht nicht allein an der Zapfsäule. Sie entsteht, wenn Erzeuger, Betreiber, Verkehrsbetriebe, Industrie, Forschung und Politik an einem Strang ziehen. Der Radlader ist dafür ein gutes Beispiel: Wasserstoff verlässt die Theorie und muss sich nun im täglichen Einsatz bewähren.

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