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Das Rezept heißt Familie – Deichtalk mit Leonard Reinhardt von „Brownies & Cookies“

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Leonard Reinhardt war elf Jahre alt, als sein Vater die ersten Brownies und Cookies nach Familienrezept an einem Tapeziertisch auf dem Geestemünder Wochenmarkt anbot. Heute steht der 27-Jährige dort in einem modernen Verkaufswagen. Zum Familienunternehmen „Brownies & Cookies“, das seine Eltern John und Michaela gemeinsam mit ihm und seinem Bruder Bennett führen, gehören außerdem ein Online-Shop und zwei feste Verkaufsstandorte in Wremen. Im Deichtalk erzählt er, warum die Brownies bis heute nach dem Rezept seines Großvaters George gebacken werden, weshalb die Familie bewusst auf schnelles Wachstum verzichtet – und warum am Ende doch immer die Familie wichtiger ist als das Geschäft.

Du bist praktisch mit Brownies und Cookies groß geworden. Wann wurde aus dem Nebenjob dein Beruf?

Während der Schulzeit habe ich schon bei meinen Eltern gejobbt, aber ich war einfach Angestellter. Ich bin zur Arbeit gekommen und wieder gegangen. Nach dem Abitur wollte ich erst einmal reisen und weg aus Bremerhaven. Als ich zurück war, haben Mama und Papa gefragt: „Leonard, möchtest du mit einsteigen?“ Ich habe Ja gesagt. Mein Vater meinte nur: „Dann brauchen wir noch ein Projekt.“ So entstand später das Strandhus in Wremen.

Wie viel Einfluss hat das Familienrezept von deinem Großvater George heute noch auf eure Produkte?

Eine ganze Menge. Die Brownies, die wir heute verkaufen, sind im Grunde genau das Rezept meines Opas. Er hat früher jedes Blech persönlich bewacht. Zwanzig Minuten saß er vor dem Ofen auf der einen Seite, dann wurde das Blech gedreht und er saß wieder zwanzig Minuten auf der anderen Seite. Das können wir heute natürlich nicht mehr machen. (lacht) Aber das Rezept ist bis heute dasselbe. Das ist ein Stück Familiengeschichte.

Wie funktioniert das Arbeiten mit den Eltern und dem eigenen Bruder? Wer hat das letzte Wort?

Einen richtigen Chef gibt es bei uns nicht. Jede Entscheidung wird gefühlt zehnmal diskutiert. Am Ende müssen wir alle dahinterstehen. Meine Eltern sind unglaublich innovativ und jung geblieben. Ich muss mir vieles von ihnen sagen lassen, weil sie viel Erfahrung haben. Andersherum müssen sie sich aber auch anhören, wenn ich sage: Heute läuft manches eben anders als früher. Ein Patriarchat wie früher in den Familienbetrieben gibt es nicht und würde bei uns überhaupt nicht funktionieren.

Familienunternehmen klingt immer ein bisschen romantisch. Wo sind die Haken?

Naja, jeder kennt das: Man hat auch mal keinen Bock auf seine Kollegen. Blöd ist nur, wenn der Kollege dein Vater oder dein kleiner Bruder ist. (lacht) Da muss man ziemlich schnell lernen, offen miteinander zu reden. Bevor sich etwas aufstaut, muss das sofort auf den Tisch. Dann die Familie steht immer an erster Stelle.

Habt ihr einen Cookie, der dich sofort an deine Kindheit erinnert?

Den gibt es tatsächlich gar nicht mehr. Früher hatten wir einen Peanut-Butter-Cookie im Sortiment. Der war vielen einfach zu erdnussig. Daraus ist später unser Peanut Butter Chocolate Cookie entstanden. Ich liebe Erdnussbutter bis heute. Das ist wahrscheinlich immer noch mein persönlicher Favorit und auch in unserem Onlineshop einer der beliebtesten.

Welchen Cookie würdest du jemandem geben, der euch noch nie probiert hat?

Den Snickerdoodle. Der erzählt unsere Geschichte gleich mit. Viele denken wegen des Namens an Snickers. Tatsächlich kommt der Name daher, dass die Amerikaner ein schwedisches Gebäck nicht richtig aussprechen konnten. Daraus wurde irgendwann dieser Cookie mit Zimt und Zucker. Unsere amerikanischen Kunden kennen den sofort von zu Hause. Und alle anderen sagen: Der schmeckt wie Omas Pfannkuchen, mit Zimt und Zucker. Und jeder mag Omas Pfannkuchen.

Was überrascht eure Kunden am meisten?

Ich glaube, die Qualität. Und ich glaube wirklich, dass man schmecken kann, mit wie viel Liebe meine Mutter backt. Sie steckt unglaublich viel Herzblut in jedes einzelne Produkt. Das macht am Ende den Unterschied.

Was macht dir mehr Spaß – Backstube oder Wochenmarkt?

Ich könnte weder sieben Tage die Woche nur backen noch sieben Tage nur mit Kunden sprechen. Gerade die Mischung macht es aus. Mittwochs und samstags stehe ich hier auf dem Markt. Man kennt die Leute, weiß, was sie trinken, bekommt ihre Geschichten mit. An anderen Tagen bin ich in der Backstube, im Strandhus oder verschicke Hunderte Pakete für unseren Onlineshop. Genau diese Abwechslung liebe ich.

Und im Urlaub? Hast du dann genug von Keksen und Kaffee?

Überhaupt nicht. Egal, in welcher Stadt ich bin: Ich suche mir die besten Cafés, gutes Sauerteigbrot, guten Kaffee oder Matcha und spannende Konzepte. Das ist einfach Leidenschaft. Wenn du aus der Gastronomie kommst, hört das nie wieder auf.

Ihr hättet euch sicherlich auch gut vergrößern können. Warum tut ihr das nicht?

Weil wir unserer Geschichte treu bleiben wollen. Wir hätten mehr Läden eröffnen oder Franchise machen können. Aber wir sagen da oft Nein. Jeder Standort soll ein Reinhardt bleiben. Wachstum darf nicht zulasten der Qualität oder der Kundenbindung gehen. Wir verkaufen kein Produkt, das wir nicht selbst essen würden. Und auch bei uns im Team ist niemand, der nicht Reinhardt-approved ist. (lacht)

Was bewunderst du an deiner Familie am meisten?

Die Disziplin meiner Mutter ist unerreicht. Ich kenne niemanden, der jeden Tag so viel gibt wie sie. Mein Vater wiederum hat diese unglaubliche Gelassenheit. Er sagt immer: „Du musst eben einmal mehr aufstehen.“ Das habe ich mir von ihm abgeschaut. Es läuft nie alles perfekt. Dann bringt es nichts, sich darüber zu ärgern – man macht einfach weiter.

Zum Schluss: Wenn dein Großvater George heute durch eure Backstube gehen würde – worüber würde er sich am meisten freuen?

Dass wir als Familie zusammenarbeiten. Dass wir uns alle in die Augen sehen können und dass es uns gut geht. Natürlich würde er sich auch freuen, dass der Laden läuft. Aber Opa war kein Mann großer Worte. Wahrscheinlich würde er einfach, mit einer kleinen Träne im Auge, lächeln und nicken.

www.browniesundcookies.de

Leonard Reinhard – kurz & knapp

  • Meine Stärke: Ich kann arbeiten, bis ich umfalle. Wirklich. Ich kenne manchmal kein Ende.
  • Meine Schwäche: Ich kann arbeiten, bis ich umfalle.
  • Mein Motto: Where focus goes, energy goes. Man muss wissen, was man will, dann kommt man da auch hin.
  • Das mag ich an Bremerhaven besonders: Dass es meine Heimat ist.
  • Das möchte ich in Bremerhaven unbedingt noch machen: Einfach weiter gut und erfolgreich zusammenarbeiten.

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