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Versicherungscheck: Was sich wirklich lohnt – und was nur bedingt

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Versicherungen sind wie diese eine Schublade in der Küche: Man weiß, dass sie wichtig ist – aber was genau drinliegt, verdrängt man gern. Bis es klappert. Oder brennt. Oder ein Brief vom Anwalt kommt. Dann wünscht man sich Klarheit.

In einer Stadt wie Bremerhaven, wo Hafenluft auf Reihenhausidylle trifft, wo Studenten neben Werftarbeitern wohnen und Familien in Hochhäusern ebenso wie im Einfamilienhaus, ist die das Leben vielfältig – und damit auch der Versicherungsbedarf. Wir erklären dir hier, was du wirklich brauchst und was eher eine Beruhigungspille ist.

Die Wichtigste: Privathaftpflicht

Diese Versicherung sollte wirklich jeder haben. Denn auch kleine Missgeschicke können schnell große Rechnungen nach sich ziehen. Ein typischer Fall: Du hilfst einem Freund beim Umzug. Beim Tragen rutscht dir der 65-Zoll-Fernseher aus der Hand und ist hinüber. Das ist ein klassischer Gefälligkeitsschaden. Gute Tarife übernehmen solche Schäden.

Oder: Dein sechsjähriger Sohn brettert bei seinem ersten Radfahr-Versuch in das geparkte Auto deines Nachbarn. Kinder in diesem Alter sind deliktunfähig – sie haften also nicht. Gute Haftpflicht-Tarife zahlen trotzdem, wenn deliktunfähige Kinder ausdrücklich mitversichert sind.

Die Deckungssumme deiner Haftpflicht sollte bei mindestens 10 Mio. Euro liegen, denn ein Personenschaden mit Langzeitfolgen oder ein aus Unachtsamkeit abgebranntes Haus können schnell zu hohen Schadenersatzforderungen führen. Eine Privathaftpflicht kostet meist weniger als 70 Euro im Jahr, schützt aber vor finanziellen Katastrophen.

Wenn der Körper nicht mehr kann: Berufsunfähigkeit

Die eigene Arbeitskraft ist für die meisten das größte Vermögen. Ohne sie ist das Einkommen weg. Der Hafenarbeiter mit kaputtem Rücken, die Verkäuferin mit Depression: Die Berufsunfähigkeitsversicherung sorgt für ihre Absicherung. Aber Achtung vor der abstrakten Verweisung. Der Begriff klingt furztrocken, entscheidet aber über deine weitere Existenz. Die Versicherung könnte nämlich sagen: „Sie können zwar Ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben – aber theoretisch könnten Sie ja noch als Pförtner arbeiten.“ Und würde nicht zahlen – egal, ob du den „Ersatzjob“ bekommst oder nicht. Gute Verträge verzichten ausdrücklich auf diese Klausel.

Als Faustregel gilt eine Absicherung von 60–70 Prozent des Nettoeinkommens. Und du solltest sie möglichst früh abschließen.

Im Mietshaus oft unterschätzt: Hausrat

„Ich habe nichts Wertvolles“, ist der häufigste Trugschluss vieler potenzieller Versicherungsfälle. Möbel, Fernseher, Rechner, Küche, Fahrrad und hochwertige Klamotten können sich schnell mal zu 30.000 Euro summieren. Und die muss dir nicht erst ein Einbrecher klauen. Auch im Mietshaus lauern Risiken. Wenn es unter dir brennt oder über dir ein Wasserrohr platzt, können Rauch, Ruß oder Wasser auch dein Inventar unbrauchbar machen. Und dann ist da noch das Wetter. Der Sturm wirft einen dicken Ast durchs große Wohnzimmerfenster oder ein Blitzschlag killt Fernseher, Router und PC. Die Ver- sicherung ersetzt dann deinen Schaden. Als Versicherungssumme empfehlen Experten etwa 650 bis 750 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Auch Zusatzbausteine, wie Fahrraddiebstahl außerhalb der Wohnung oder Hotelkosten bei Unbewohnbarkeit können sinnvoll sein.

Und wenn dir das Haus gehört?

Als Eigenheimbesitzer brauchst du eine Wohngebäudeversicherung. Sie gilt für Schäden am Gebäude, zum Beispiel wenn der Sturm dein Dach abdeckt und Regen die Decken beschädigt. Oder wenn ein Rohrbruch unterm Estrich dich zwingt, Böden aufstemmen zu lassen. Gerade hier an der Küste solltest du über einen Elementarschaden-Baustein nachdenken – etwa bei Starkregen oder Rückstau.

Eine Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht sichert dich außerdem gegen Gefahren ab, die von deinem Grundstück ausgehen. Etwa wenn bei Glatteis jemand vor deinem Haus stürzt oder wenn ein morscher Ast von deinem Baum auf ein fremdes Auto fällt. Bei selbstgenutzten Einfamilien- häusern ist das oft in der Privathaftpflicht enthalten – aber nicht automatisch.

Hast du eine Ölheizung mit Tank, brauchst du meist eine Gewässerschadenhaftpflicht. Denn Öl, das ins Erdreich läuft, kann stark ins Geld gehen. Bei einer Photovoltaikanlage wiederum solltest du klären, ob sie in die Gebäudeversicherung eingeschlossen ist und ob Ertragsausfälle versichert sind.

Wenn Streit teuer wird: Rechtsschutz

Rechtsschutz ist kein Muss, aber in bestimmten Lebenslagen sehr beruhigend. Konflikte mit dem Vermieter oder dem Arbeitgeber oder die Schuldfrage nach einem Verkehrsunfall können schnell mehrere Tausend Euro Anwalts- und Gerichtskosten verursachen. Wichtig bei der Rechtsschutzversicherung ist die Selbst- beteiligung – sie kann die Beiträge deutlich senken. Außerdem gilt oft eine Wartezeit. Herrscht etwa mit dem Chef oder dem Vermieter schon vorher dicke Luft, kann die Versicherung in dieser Zeit nach dem Abschluss die Leistung verweigern.

Gesetzlich mit gewissen Vorzügen: Krankenversicherung

Eine Krankenversicherung ist vorgeschrieben. Private Zusatzvorsorge kann aber sinnvoll sein, etwa eine Zahnzusatzversicherung. Ist ein Zahn erst einmal hinüber, kann ein Implantat schnell mehrere Tausend Euro kosten. Und wenn du gern verreist, solltest du eine Auslandskrankenversicherung haben. Sie kostet nur ein paar Euro im Jahr.

Muss das sein? Restschuld, Glas & Co.

Eine Restschuldversicherung ist für einen Ratenkauf über sechs Monate in der Regel überflüssig. Bei hohen, langfristigen Krediten, etwa der Eigenheimfinanzierung kann sie sinnvoll sein. Es kann sich aber auch lohnen, Alternativen wie eine Risikolebensversicherung zu prüfen. Eine separate Glasversicherung lohnt sich vor allem bei großen Fensterfronten, Wintergärten oder Gewächshäusern und zum Teil bei hochwertigen Ceran- oder Induktionskochflächen. In einer normalen Wohnung ist Glasbruch in der Regel über die Hausrat mit abgesichert.

Cyber-Schutz – was steckt dahinter?

Viele moderne Hausrat- oder Haftpflicht- Tarife haben Cyber-Bausteine. Sie bieten dir zum Beispiel Hilfe bei Identitätsdiebstahl und Online-Betrug, Cyber-Mobbing, Rufschädigung im Internet oder der Datenrettung nach einem Hackerangriff. Das ersetzt keine IT-Sicherheit. Aber wenn jemand in deinem Namen Kredite beantragt oder dich im Sozialen Netz als Sittenstrolch bezichtigt, kann es Gold wert sein. Wer viel online kauft, streamt oder bezahlt, sollte zumindest wissen, dass es das gibt.

Keine Panik!

Versicherungen sollen dir keine Angst verkaufen. Sie sollen Risiken abfedern, die du selbst nicht tragen kannst. Die entscheidende Frage ist: Was würde dich ruinieren, wenn es morgen passiert? Alles, was existenzbedrohend ist, gehört abgesichert. Alles andere ist eine bewusste Entscheidung. Dann kann die Katastrophe ruhig kommen.

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