Als wir vor fünf Jahren mit Fry High gestartet sind, war die Welt im Stillstand. Corona, geschlossene Läden, leere Plätze – und wir in einem grauen Foodtruck auf zugigen Parkplätzen mit einer klaren Mission: Pommes neu denken. Pommes nicht als Beilage, sondern als Hauptsache. Ehrlich, direkt, ohne Theater. Streetfood ohne Show, dafür mit Substanz.
Ich bin hier oben groß geworden und vertraue auf zwei Dinge: ehrliches Essen und Bauchgefühl. Beides hat uns zu unserem persönlichsten Gericht geführt: den Grünkohlfritten.
Als die Idee erstmals aufkam, Grünkohl auf unsere Karte zu holen, war mein Reflex Ablehnung. Grünkohl gehörte für mich an den Tisch meiner Kindheit, dampfend aus dem großen Topf meiner Mutter – nicht in eine Pommes-Schale aus dem Foodtruck. Doch dann kam der Moment, in dem ich es einfach probiert habe. Und plötzlich ergab alles Sinn. Man isst Grünkohl schließlich seit jeher mit Salzkartoffeln oder Bratkartoffeln. Und was sind Pommes am Ende anderes als bessere, knusprigere Bratkartoffeln? In diesem Bissen war klar: Das hier ist kein Stilbruch, sondern die logischste Weiterentwicklung, die man sich hätte ausdenken können.
Das Ergebnis ist bis heute unverändert ehrlich. Unten eine ordentliche Portion heißer, knuspriger Fritten – das Herz von UNSERE GRÜNKOHLFRIT TEN Fry High. Darauf eine satte Kelle hausgemachter Grünkohl nach dem Originalrezept meiner Mutter, langsam gekocht, würzig, genau richtig zwischen saftig und kräftig. In den Kohl mischen wir Kasslerwürfel und Pinkel, oben drauf kommen Mettenden direkt aus dem Topf. Wer mag, setzt noch einen Klecks Senf obendrauf. Deftig, bodenständig, sättigend. Natürlich gibt es auch eine vegane Variante, ohne den Charakter des Gerichts zu verwässern.
Was als halb verrückte Idee begann, entwickelte sich schneller, als ich gedacht hatte. Ein erstes Foto auf Social Media, skeptische Blicke vor dem grauen Truck, Sprüche wie: „Joschka, willst du mir DAS jetzt echt verkaufen?“ Dann der erste Bissen – und die Leute kamen wieder. Heute gehören die Grünkohlfritten zur Wintersaison im Bad 2 wie beschlagene Scheiben, Chlorluft und das Quietschen nasser Sohlen auf Fliesen.
Ich bin stolz auf dieses Gericht, weil es zeigt, wofür ich Fry High gegründet habe: Essen, das keine Auszeichnungen braucht, um zu wirken. Küche, die Heimatgefühl mitbringt, ohne stehen zu bleiben. Kein Show-Food, sondern ehrlicher Genuss, der direkt über den Magen ins Herz geht. Und wenn ich sehe, wie jemand mit roter Nase aus dem Schwimmbad kommt, sich eine Pommes-Schale mit Grünkohlfritten holt und grinst, dann weiß ich: Genau dafür stand ich vor fünf Jahren im grauen Foodtruck – und genau dafür mache ich das bis heute.
Fry High – First Class Fritten
Im Bad 2 an der Schillerstraße 144

