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Mühlenbeck: Familienunternehmen und regionale Marke

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Egal, ob beim Grillfest oder am Bratwurststand: In und um Bremerhaven ist die Wahrscheinlich keit hoch, dass die Wurst dafür von Mühlenbeck kommt. Der Spadener Familienbetrieb mit rund 50 Mitarbeitern hat sich in seiner gut 120-jäh rigen Geschichte als die Fleischerei in der Re gion etabliert und immer wieder neu erfunden. Wir haben Jan-Peter Mehring zum Interview ge troffen. Er leitet als Prokurist gemeinsam mit seinen Schwiegereltern Britta Mühlenbeck und Gebhard Buck sowie seiner Ehefrau Stefanie Mehring den Betrieb.

Die Sonne scheint und überall brutzeln Würste und Steaks auf dem Grill. Hat Mühlenbeck im Sommer immer besonders viel zu tun?

Der klassische Saisonstart ist eigentlich das Osterwochenende. In diesem Jahr hat es aufgrund des Wetters etwas länger ge dauert. Wenn die Sonne da ist und es abends auch länger warm bleibt, ist in unserem Fachgeschäft viel los – gerade rund um die Wochenenden. Die Auslastung ist aber in jeder Jahreszeit da, sie verschiebt sich nur auf andere Produkte. Wir sind ja sehr saisonal. Im Sommer stellen wir besonders viel Bratwurst her und verkaufen in unserem Fachgeschäft sehr viel Grillfleisch. Im Winter stehen Räuchermettenden – auch Kochwurst genannt – Bremer Pinkel, Oldenburger Pinkel und küchenfertiger Grünkohl im Vordergrund.

Was kommt denn in diesem Sommer auf den Grill?

Viel nachgefragt werden ganz klassisch die marinierten Nackensteaks, Geflügel und natürlich Bratwurst. Mein Gefühl ist, dass aktuell mehr Abwechslung auf dem Grill zählt – also lieber Kleinigkeiten, davon aber etwas mehr. Zu unserem Sor timent gehören aber auch besondere Fleischstücke, wie zum Im Fachgeschäft gibt es neben Fleischwaren viele frische Zutaten zum Kochen und Grillen. Beispiel Tomahawk-Steaks. Außerdem bieten wir immer besondere Bratwurst-Sorten an wie aktuell Spargelbratwurst, Spinatbratwurst und Chili-Cheese-Kracher.

Zu Ihrem Angebot gehören auch Schweinefleisch aus Offenstallhaltung und Rindfleisch aus der Region. Was ist das Besondere daran?

Das Offenstall-Programm wurde vor etwa zehn Jahren von einem Schlachtbetrieb in Lohne gestartet. Wir waren gleich überzeugt und wir eines der ersten Mitglieder hier in der Region. Das Schweinefleisch kommt von drei tollen Höfen bei Soltau, auf denen die Schweine viel Auslauf, Tageslicht und frische Luft bekommen. Hier in der Region gibt es leider kaum Schweine mast-Betriebe. Deshalb müssen wir diesen Weg gehen, um Qualität und Haltungsstufe zu gewährleisten. Beim Rindfleisch arbeiten wir mit einem Bauern in zwei Kilometern Entfernung zusammen. Wir verkaufen hauptsächlich Färsenfleisch, da ist die Qualität besonders gut. Im Handel gibt es meistens Jung bulle. Dem fehlen dieses Aroma und das intramuskuläre Fett, das besonders viel Geschmack bringt.

Verschiedene Produkte wie „Mühlenbeck’s Beste“ finden sich eingeschweißt in vielen Supermärkten in und um Bremerhaven. Wie wichtig ist das für die Fleischerei?

Wir leben auch davon, dass wir die Supermärkte als Filialen für unsere Bratwürste nutzen können. Das ist aber nur ein Teil des Ganzen. Ein weiterer wichtiger Teil ist unser eigener Laden. Dazu kommen noch Großkunden, zum Beispiel aus der Gastronomie und den Vereinen. Das wächst immer weiter. Wir sind in unse rem Einzugsbereich aber auch eine der letzten Fleischereien, die solche Kunden versorgen können. Die Kollegenbetriebe in der Region sind über die Jahre immer weniger geworden. Das lag oft an fehlenden Nachfolgern.

Bei Mühlenbeck scheint die Nachfolge gesichert zu sein, oder?

Noch arbeiten meine Schwiegereltern komplett mit. Der Gene rationswechsel ist also noch nicht abgeschlossen. So lange sie Spaß an der Arbeit haben und es nicht nur als Pflicht sehen, sollen sie auch gerne weitermachen. Meine Frau ist 2011 in den Betrieb eingestiegen mit dem Ziel, ihn gemeinsam mit ihren Eltern in die Zukunft zu führen. Seit fünf Jahren ist sie gemeinsam mit meinem Schwiegervater Geschäftsführerin.

Wie sind Sie denn selbst in diesen Beruf gekommen?

Ich habe meine Frau geheiratet (lacht). Nach dem Abitur habe ich eine Bankkaufmann-Lehre gemacht, dann noch sieben Monate in der Bank gearbeitet und anschließend BWL mit Schwerpunkt Markenmanagement studiert. 2015 haben wir geheiratet und ich hier angefangen. Ich habe dann noch meine Fleischerlehre und 2019 den Fleischermeister gemacht. Man ist hier vieles in einem – Ich muss nicht nur die kaufmännische Seite verstehen und was wir hier wie herstellen, sondern auch, wie die Maschinen funktionieren und wie sie repariert werden.

Vor welchen Herausforderungen steht der Betrieb aktuell?

Der Fachkräftemangel ist – wie in jeder anderen Branche auch – eine Herausforderung. Die Bürokratie und die Auflagen durch die Behörden wachsen. Natürlich haben wir an diesem Standort, der über fast 120 Jahre immer weiter ausgebaut wurde, auch ständig den Bedarf, die Infrastruktur zu sanieren. Da muss man einfach am Ball bleiben: in Maschinen investieren, da, wo wir können, automatisieren. Wir sind nach wie vor ein Handwerks betrieb, müssen aber auch gewisse Mengen am Tag schaffen. Die gestiegenen Energiekosten sind kein ganz so großes Problem, weil wir alle Dächer für Photovoltaik nutzen. Unsere Dampfanlage haben wir 2022 gegen ein neues, viel effizienteres Modell ausgetauscht, das zahlt sich jetzt aus.

www.mühlenbeck.de

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