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Junge Kultur in der Alten Bürger: Deichtalk mit den Gründern der „Karlsburg“

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Vielen jungen Leuten fehlt in Bremer haven ein Club für elektronische Mu sik, studentische Partys und passende Kulturveranstaltungen. Eine Gruppe aus rund 30 Studierenden von der Hochschule Bremerhaven hat dieses Problem jetzt selbst in die Hand ge nommen. Sie gestalten und betreiben in Eigenregie den Club „Karlsburg“ in der Alten Bürger – als gemeinnütziger Ver ein. Wir haben Finn Kuhlmann, Merlin Kreissel, Meryem Almaz und Leander Sautter zum Deich-Talk getroffen.

Ich kenne den Laden noch als das „Yesterday“. Hier hat sich aber ganz schön was verändert. Was habt ihr bisher gemacht?

Merlin: Als wir zum ersten Mal in den Laden kamen, war alles, was einen Wert hatte, schon raus. Aber sonst sah der Laden aus wie am letzten Öffnungstag. Die ganzen Holzmöbel mussten raus. Und die Bar – die war gemauert. Dann musste der Boden herausgerissen und doppelt versiegelt werden. Außerdem haben wir alle Wände schwarz gestrichen.

Finn: Wir haben fast alles in Eigenleistung gemacht. Nur bei Sachen wie der Elektrik und dem Wasser brauchten wir Unterstützung.

Die ersten Partys haben hier auch schon stattgefunden. Seit wann hat die „Karlsburg“ denn geöffnet?

Merlin: Also Privatveranstaltungen ma chen wir hier schon seit Ende Januar. Das ist eine Art Test- und Findungsphase. Unser Plan ist es, im August auch offiziell zu öffnen.

Finn: Wir kommen ja alle nicht aus dem Business. Jeder muss jetzt erstmal Erfahrungen sammeln und seine Aufgaben finden.

Was waren denn eure Highlights bisher?

Leander: Ein Highlight war unsere „Nacht der Kollektive“ im Mai. Wir haben in Bre merhaven recht viele Kollektive von jungen Menschen, die Bock haben, elektronische Musik zu machen. Vier Kollektive haben hier bei der Gestaltung des Programms und bei der Musik mitgewirkt und so ein fach zu einem sehr schönen kulturellen Abend beigetragen. Das hat in Bremerhaven so bisher noch nicht stattgefunden.

Finn: Für mich war unser erster Abend das Highlight. Ich glaube, ich saß keine Minute ruhig oder habe auch nur eine Sekunde getanzt. Stattdessen bin ich von Stelle zu Stelle gerannt, habe „Feuer gelöscht“ und Gläser gespült. „Date my Mate“ war auch ein Highlight. Da konnten Leute ihre Single-Freunde auf ironische Weise mit einer Power-Point-Präsentation vorstellen. Da waren bestimmt 100 Leute hier.

Für heute Abend ist die Punker-Kneipe „Stress“ angekündigt, regelmäßig öffnet ihr auch als „Studi-Kneipe“. Wer ist denn eure Zielgruppe?

Merlin: Es gibt hier verschiedene Ansätze. Das eine ist halt, dass Studierende für Studierende etwas machen und dass wir hier auch Tage haben, die vielleicht rein für Studierende sind. Aber ansonsten soll das hier ein Begegnungsort sein, um die verschiedenen Bubbles in Bremerhaven zu vermischen – auch verschiedene Musikrichtungen. Heute ist Punk-Kneipe. Außerdem haben wir viele, die eher in die Richtung Techno und Trance gehen. Ich selber habe hier für eine Klubnacht Pop aufgelegt.

Finn: Die Klubnacht war eigentlich die erste Veranstaltung, mit der wir aus unserer Bubble rausgegangen sind. Damit haben wir eine sehr breite Masse an gesprochen und hatten viele Gäste, die wir vorher nicht kannten. Auch viel Laufkundschaft aus der Alten Bürger.

Meryem: Es war selten so voll hier wie an dem Abend.

Feste Öffnungszeiten und -tage wird es in der „Karlsburg“ aber nicht geben, oder?

Finn: Wir haben jede Woche im Wechsel einmal „Stress“ oder die Studikneipe, also vier Barabende im Monat. Das ist fest. Ziel ist es, außerdem zweimal im Monat eine größere Veranstaltung auf einem Freitag oder Samstag anzubieten. Eine in Richtung Pop und 2000er, eine in Richtung elektronischer Musik. Dazu noch Workshops.

Merlin: Wir sind da sehr flexibel. Wenn die VereinsmitgliederInnen etwas organisieren wollen, können sie das auch machen. Wir sind offen für Neues und fördern das auch.

Finn: Wir wollen auch Workshops und Ausstellungen anbieten, damit das hier ein vollendeter Kulturort wird. Ein großes Ziel ist, dass der Laden irgendwann ein mal fertig renoviert, alles abgenommen und offiziell eröffnet ist – und, dass wir alle, die hier abends arbeiten, auch dafür bezahlen können.

Um die „Karlsburg“ zu betreiben, habt ihr einen gemeinnützigen Ver ein gegründet. Was ist die Idee da hinter?

Finn: Das Projekt „Karlsburg“ soll nicht an bestimmte Leute gebunden sein. Wir sind ja Studierende und bleiben meistens nicht für immer in Bremerhaven. Wenn die Leute wieder wegziehen, soll es ja weitergehen.

Merlin: Ziel ist es, dass immer neue Studierende mit neuen Ideen in den Verein kommen und den Raum auch neu gestalten können. Das Schöne ist, dass sich so ein Verein immer weiterentwickeln kann. Die Mitglieder können aus dem Club in zehn Jahren zum Beispiel auch ein Café machen, wenn das dann besser passt.

Leander: Im Verein begegnen wir uns von Mensch zu Mensch, nicht von Chef zu Angestelltem. Wir finden Entscheidungen gemeinsam, niemand hat mehr Rechte als der andere. Hierarchische Strukturen lehnen wir ab.

Wie seid ihr denn zu eurem Laden, dem ehemaligen „Yesterday“ in der Alten Bürger, gekommen?

Merlin: Viele verschiedene Leute aus ganz unterschiedlichen Bereichen haben schon total lange Bock auf einen Club für elektronische Musik. Es hat aber der passende Ort dafür gefehlt. So schade es auch ist, dass das „Yesterday“ zugemacht hat, war es für uns die eine Möglichkeit. Die Lage in der Alten Bürger ist perfekt dafür.

Finn: Über Vitamin B haben wir dann den Kontakt zum Vermieter hergestellt und gemerkt, dass die Mietsituation finanziell für uns machbar ist. Das war so ein Moment, in dem wir gedacht haben: „Wenn nicht jetzt, dann wahrscheinlich gar nicht.“

Leander: Die Nostalgie vom „Yesterday“ spielt hier natürlich auch eine Rolle. Wir haben hier ein ganz anderes Konzept und die Leute müssen das erstmal akzeptieren.

Meryem: Ich würde hier total gerne auch mal eine Party mit der Musik von damals organisieren – für die Leute, die früher ins „Yesterday“ gegangen sind.

Ihr habt im Januar die Schlüssel für den Club übernommen. Was denkt ihr jetzt, wenn ihr hier reinkommt?

Finn: Es gibt viele kleine Dinge, die mich hier happy machen. Zum Beispiel wenn man am Tag nach einer Veranstaltung reinkommt und der Laden schon sauber gemacht wurde.

Merlin: Ich bin sehr stolz darauf, wenn ich daran denke, wie es vorher hier aussah. Auf der anderen Seite sieht man aber auch noch den Weg, der vor uns liegt. Es verändert sich hier ständig etwas. Der Raum lebt und das ist schön zu sehen.

Leander: Wenn ich hier reinkomme, habe ich direkt Lust, Party zu machen. Anderer seits habe ich aber auch immer die Arbeit und die Organisation dahinter im Kopf.

www.instagram.com/karlsburgskinder/

Karlsburgs Kinder – kurz & knapp

Unsere Stärken: Vielfalt, Engagement, Gemeinschaft

Unsere Schwächen: Zu wenig Zeit, zu wenig Geld, zu wenig Mitglieder

Unser Motto: „Lang lebe die Karlsburg!“

Das mögen wir an Bremerhaven besonders: Die Menschen hier und die Möglichkeiten, selbst etwas zu bewirken.

Das wollen wir in Bremerhaven unbedingt noch machen: Wir würden gerne einmal jeman den an der Tür abweisen müs sen, weil der Laden zu voll ist

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