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Mit ihrer Mentoring-App „Future+“ räumen drei Bremerhavener Schülerinnen sogar beim Bundeswettbewerb ab

Chatbots und KI können viele Fragen beantworten, wenn man neu in Deutschland ist. Oft braucht man aber auch mehr: etwa einen Menschen, der zuhört, auf individuelle Probleme eingehen kann und Orientierung und Motivation gibt. Genau diese Idee hatten Ayça Fatma Aydin, Amina El Zahar Cascallar und Ceyda Dellalbasi. Die drei Schülerinnen des Schulzentrums Carl von Ossietzky entwickelten mit Future+ eine App, die Neuankommende mit ehrenamtlichen Mentoren zusammenbringen soll.

Die Idee entstand aus ihren eigenen Erfahrungen. „Wir haben ja alle selbst einen Migrationshintergrund“, sagt Ayça. Bei ihren Recherchen stellten sie fest: Eine digitale Plattform, die Menschen gezielt mit erfahrenen Begleitern zusammenbringt, fehlt. „Diese Lücke wollten wir schließen“, so Ayça.

Das Prinzip der App „muss man sich wie Tinder vorstellen“, erklärt sie. Nutzer geben ihre Interessen, ihren Bildungsstand und ihre Ziele an und werden anschließend mit passenden Mentorinnen oder Mentoren zusammengebracht. Dass das Konzept funktioniert, zeigte sich schon vor der eigentlichen Umsetzung: Über das Projekt entstand bereits der Kontakt zwischen einem politikinteressierten Schüler und dem Bremerhavener Stadtverordneten Fatih Önal (CDU), der ihn seitdem unterstützt.

Bewusst setzen die Schülerinnen dabei nicht auf Künstliche Intelligenz. „Ein Mensch kann sich viel besser in andere hineinversetzen“, sagt Ayça. Wer ähnliche Hürden selbst überwunden habe, könne Mut machen und vor allem Erfahrungen weitergeben, die keine KI ersetzen könne.

Fleiß schlägt Favoriten

Begonnen hatte alles ganz unspektakulär im Wirtschaftskundeunterricht. „Am Anfang wollten wir eigentlich nur eine gute Note rausholen“, erzählt Ayça schmunzelnd. Doch daraus wurde schnell mehr. Nachdem mehr als 150 Menschen an einer Umfrage teilgenommen und zahlreiche Interviews den Bedarf bestätigt hatten, wuchs aus der Schulidee ein ernstzunehmendes Gründungsprojekt. Das brachte die drei Schülerinnen bis ins Bundesfinale des Wettbewerbs JUGEND GRÜNDET nach Stuttgart.

Dort wartete noch eine Überraschung. Während Ayça und ihre Teamkolleginnen fest mit einem Publikumspreis oder einer Auszeichnung für ihre soziale Idee rechneten, wurden sie für etwas ganz anderes auf die Bühne gerufen: Mit 1.811 von 2.000 Punkten gewannen sie das bundesweite Unternehmensplanspiel – und stellten damit sogar einen neuen Wettbewerbsrekord auf.

„Wir waren richtig schockiert“, erinnert sich Ayça lachend. „Vor allem, weil ein Elite-Gymnasium, das zuletzt sechs Jahre in Folge das Planspiel gewonnen hatte, als haushoher Favorit galt. Und dann kommen wir aus Bremen, dem Bundesland mit dem angeblich niedrigsten Bildungsniveau, und gewinnen gegen die Hochbegabten.“

Nicht nur für die Mädchen war das eine Überraschung. „Future+ war anfangs nicht einmal das stärkste Projekt des Kurses“, sagt Lehrer Maximilian von Holten. „Aber sie waren mit Abstand die Fleißigsten. Wo andere Gruppen irgendwann zufrieden waren, haben die drei immer weiter recherchiert, Interviews geführt, Menschen auf der Straße angesprochen und ihre Idee Schritt für Schritt verbessert.“ Schon im vergangenen Jahr war ein CvO-Projekt im Bundesfinale vertreten, damals mit einer App gegen häusliche Gewalt.

Die Idee lebt weiter

Noch ist Future+ ein Prototyp. Doch knapp ein Dutzend Mentorinnen und Mentoren haben sich bereits gemeldet – ganz ohne fertige App. Gemeinsam mit dem Stadthaus Bremerhaven soll nun geprüft werden, wie sich die Idee weiterentwickeln lässt.

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