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Ann Christin und Frank Brüssel von der Spedition Brüssel & Maass. Foto Schönig
Lebensmittel-Logistik aus Tradition: Business-Talk mit der Spedition Brüssel & Maass

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Seit mehr als 70 Jahren sorgt Brüssel & Maass dafür, dass Lebensmittel sicher, pünktlich und frisch ankommen – von Bremerhaven aus in die ganze Welt. Was einst als klassischer Speditionsbetrieb begann, ist heute ein hochmodernes Logistikunternehmen mit klarer Haltung: nachhaltig denken, zuverlässig handeln und dabei nie den menschlichen Faktor aus dem Blick verlieren. Wir sprachen mit den Geschäftsführer Frank Brüssel und Betriebsleiterin Ann Christin Brüssel über Nachhaltigkeit, Gemeinwohl und wie man in einer globalisierten Branche lokal verwurzelt bleibt.

MOIN Bremerhaven: Herr Brüssel, Frau Brüssel, die Firmenadresse im Fischereihafen und die Kühllaster auf dem Hof deuten schon darauf hin, welche Art Ladung bei Brüssel & Maass am häufigsten bewegt wird. Was ist die besondere Herausforderung beim Transport von Fisch und Lebensmitteln und wie heben sie sich da vom Wettbewerb ab?

Frank Brüssel: Die besondere Herausforderung ist, die Qualität und Temperatur vorzuhalten. Die Besonderheit bei uns ist, dass unsere Lkws sogenannte Bi- Temp-Fahrzeuge mit zwei getrennten Temperaturbereichen sind. Damit können Tiefkühlware bei minus 25 Grad und Frischware bei zwei Grad gleichzeitig transportiert werden. Da heben wir uns einerseits schon ab, andererseits werden die Wettbewerber auch gerade weniger. Wir schwimmen derzeit alle auf einer Welle, die nicht so viel Spaß macht, wie man global so merkt.

MB: In über 75 Jahren Unternehmensgeschichte hat sich die Logistikwelt rasant entwickelt. Sie ist globaler, schneller und digitaler geworden und die Anforderungen höher. Wie behauptet man sich da als mittelständisches, familiengeführtes Unternehmen aus Bremerhaven?

FB: Der Markt ist im Wandel, das merkt man natürlich auch im Fischereihafen. In solchen Zeiten hilft uns die jahrelange Erfahrung, rechtzeitig zu sehen, was auf uns zukommt und die Situation zu meistern. Mein Lieblingsspruch ist immer: „Die Familie Brüssel kann Krise“.

Ann Christin Brüssel: Wichtig ist sicherlich auch, dass wir ein Unternehmen sind, das nicht wegguckt oder solche Situationen mit „Ach, das wird schon“ auszusitzen versucht. Wir sehen immer, was wir machen können, zum Beispiel auch im Bezug auf Digitalisierung, und gehen neue Wege im Rahmen unserer Möglichkeiten mit.

MB: Wie weit kommt der Fisch aus Bremerhaven eigentlich so in der Welt herum? Was ist die längste Strecke, die er zurücklegt?

FB: Bundesweit. Wir arbeiten hier für den größten Fisch- und Lebensmittelhersteller und verteilen die Ware bundesweit in den Handel und teilweise auch in die Gastronomie. Neben dem Fischtransport sind wir auch noch in der Lagerlogistik aktiv und lagern seit 30 Jahren Verpackungsmaterial für die Fischproduzenten wie Iglo und Frosta. Wir haben seit einem Jahr ein 5000 Quadratmeter großes, hochmodernes Regallager in Schiffdorf angemietet, für das wir ein älteres Lager aufgelöst haben. Aus dem Lager beliefern wir unsere Kunden täglich.

MB: Brüssel & Maas ist in der Region bekannt geworden für seine Bemühungen um Nachhaltigkeit und mehr Umweltverträglichkeit, etwa bei den Antrieben. Was haben Sie in den vergangenen Jahren dabei erreicht?

FB: Transformation ist ja ein großes Thema und unser Gewerbe mit seinen Diesel-Lkws ist dafür ja besonders geeignet. Aber wie wir das alles umsetzen werden, bleibt spannend. Es wird nicht einfacher. Wenn ich hier zum Beispiel Ladestationen für zehn E-Lkws hätte und die gleichzeitig anschließen würde, dann hätte der Fischereihafen vermutlich keinen Strom mehr.

Wir versuchen in der Tat ziemlich viel, mein Bruder Ulf ist in den Themen Transformation und Nachhaltigkeit voll drin. Aber wir merken auch immer wieder, wie wir an unsere Grenzen stoßen. Klar ist, dass ein zwei Jahre alter Lkw weniger verbraucht als ein sechs Jahre alter. In dem Sinne ist eine moderne Flotte ein entscheidender Schlüssel. Wobei ich glaube, dass die Lkw-Produzenten das noch besser steuern könnten.

Die Zentrale von Brüssel & Maass am Fischereihafen. Foto Brüssel & Maass
Die Zentrale von Brüssel & Maass am Fischereihafen. Foto Brüssel & Maass

Wir haben auch mal eine Studie der Hochschule zu Wasserstoffantrieben mitgemacht. Das ist grundsätzlich eine tolle Idee, aber technisch einfach noch nicht effizient umsetzbar. Das ist immer wieder ein Thema, aber da kann man erstmal einen Haken dran machen. Bei Bremerhaven Bus scheint es zu klappen, aber mit ganz anderen Fahrprofilen und da nicht immer reibungslos. Das Hauptproblem, egal ob wir über Wasserstoff, Gas oder Elektro reden, ist für uns in der Logistik, dass wir die Kosten einfach nicht kalkulieren können

An E-Antrieben wird wohl kein Weg mehr vorbeiführen, aber ich bin da noch verhalten. Denn das wird auch logistisch eine Herausforderung werden, wenn zum Beispiel ein Fahrer eine Tour nach Freiburg hat und unterwegs aber noch eine Pause zum Laden einbauen und die passende Ladestelle dafür finden muss, die uns auch nicht mit den Kosten abzockt.

ACB: Wir müssen uns auch auf Energieeffizienz zertifizieren lassen, dort sind wir auf aktuellem Stand, auch wenn uns die Bürokratie immer mal wieder ausbremst. Was neue Antriebe angeht, wollen wir E-Lkws gerade in den Umfuhren unserer eingelagerten Ware an die Kunden im Umkreis von 10 bis 15 Kilometern testen. Denn hier im Nahbereich oder für Fahrten etwa nach Cuxhaven macht E-Mobilität tatsächlich Sinn.

MB: Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist sicher auch in der Logistik der Nachwuchs ein Thema. Wie können sie da punkten und was lockt Jugendliche in die Logistik und zu Brüssel & Maass?

FB: Wir waren ja mal Ausbildungsbetrieb des Jahres 2018 und hatten in der Spitze von knapp 100 Mitarbeitern über 20 Auszubildende. Wir haben das Level mittlerweile etwas heruntergefahren, auch weil wir festgestellt haben, dass wir 20 Azubis hier nicht mehr steuern können. Wir bilden aber immer noch angemessen aus, würde ich sagen. Wir bilden sowohl kaufmännische Mitarbeiter als auch Berufskraftfahrer und Lagerfachkräfte aus.

ACB: Was Fachkräftemangel angeht, ist es aus meiner Sicht deutlich schwieriger, die richtigen Auszubildenden zu finden als ausgelernte Fachkräfte. Nicht nur im gewerblichen Bereich, sondern auch im Büro. Wir haben gerade einen Arbeitnehmer- Markt, auf dem sich auch die Schulabgänger ihre Ausbildungsplätze aussuchen können. Und die meisten suchen sich dann große Konzerne aus. Bei den Kraftfahrern hatten wir dieses Jahr mal Glück, aber grundsätzlich ist das ein sehr schwieriger Bereich.

MB: Zum Schluss ein kleiner Blick nach vorn von der vierten Generation: Wie stellen sie sich Brüssel & Maass in den Vierziger Jahren vor?

ACB: Ich bin tatsächlich noch sehr positiv gestimmt, auch wenn alle sagen, Logistik ist eine schwierige Branche. Das merke ich auch, aber ich denke, dass es Themen wie eben die Nachhaltigkeit gibt, wo wir uns für die Zukunft gut aufstellen können. Wir müssen auch sehen: Was macht der Fisch? Bleiben wir beim Fisch oder kommen vielleicht mal andere Produkte hinzu? Wenn man mit all diesen Herausforderungen mitgeht, wird es sicherlich weiter gut laufen. Man darf auch nie den Spaß daran verlieren, neue Dinge auszuprobieren und vor allem nicht den Kopf in den Sand stecken, wenn es mal nicht so rund läuft.

Frau Brüssel, Herr Brüssel, vielen Dank für das Gespräch!

www.bruessel-maass.de

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