Ausstellungen im Mittelschiff, Yoga vor dem Altar, Lichtinstallationen am Gewölbe: Die Kulturkirche Bremerhaven steht für Kunst und Veranstaltungen vor der besonderen Kulisse der Pauluskirche. Doch in den vergangenen Jahren konnte der 1905 an der Hafenstraße errichtete Bau kaum dafür genutzt werden. Seit 2021 war wegen defekter Leitungen der Strom abgestellt. Am 21. März startet die Kulturkirche dort mit einer Doppelausstellung und einem Festprogramm in ein neues Veranstaltungsjahr.
Kuratorin Dr. Lena Reichelt übernahm im September 2024 die Leitung der Kulturkirche. Da war die Pauluskirche aufgrund der veralteten und zum Teil gefährlichen Elektrik schon seit drei Jahren geschlossen. Die neue Kuratorin brachte wieder Leben in das Gotteshaus – ein sicherer Baustrom- Anschluss sorgte zumindest für das Nötigste, um Ausstellungen und Veranstaltungen zu ermöglichen. „Wir haben viel improvisiert. Jetzt kann wieder Alltag einkehren“, freut sich Dr. Lena Reichelt. Das Bild oben zeigt die Ausstellung „Dunkle Zeiten“ von Stefan Strumbel (Foto Jens Weyers)
Seit August 2025 wurde die Pauluskirche rundum saniert. Risse im Mauerwerk wurden verschlossen, das Dach ausgebessert, neue Brandschutztüren eingebaut – und moderne Stromleitungen verlegt. Künstlerinnen und Künstler können so wieder die gebäudeeigenen Licht- und Soundanlagen nutzen. Ihren besonderen Charme hat die neogotische Backsteinkirche behalten. „Der Raum hier bietet total viel. Durch die Installationen und Performances können wir ihn immer wieder neu entdecken“, sagt Dr. Lena Reichelt. „Die Künstlerinnen und Künstler haben hier ganz andere Möglichkeiten als in einem Museum oder in einer Galerie.“
Doppelausstellung mit viel Programm
Das neue Programm der Kulturkirche beginnt am 21. März mit einer Doppelausstellung der beiden Künstlerinnen Anna Holzhauer und Franziska von den Driesch unter dem Titel „flip“. Erstmals arbeiten sie zusammen und wollen ganz verschiedene Seiten des Gebäudes, aber auch der Institution Kirche aufzeigen. Eröffnet wird das neue Kulturkirchen-Jahr mit einem Festakt ab 15 Uhr. Von März bis Juni begleitet ein Rahmenprogramm die Ausstellung – unter anderem mit Gesprächen mit den Künstlerinnen, Vorträgen sowie Meditation und Yoga in der Kirche.
„flip“ wird in der Kulturkirche bis zum 13. Juni zu sehen sein. Darauf folgt eine Ausstellung der international tätigen Künstlerin Alke Reeh, die sich auf das Gestalten von Flächen mit unterschiedlichsten Materialien und Formen spezialisiert hat. Die Eröffnung ist für den 29. August geplant. Das Rahmenprogramm setzt sich zum Beispiel aus Performances der Tanz-Etage und einem Orchesterkonzert zusammen.

Beide Ausstellungen sind jeweils donnerstags, freitags und samstags von 16 bis 19 Uhr und sonntags von 11 bis 15 Uhr geöffnet. „Die Ausstellungen und alle Veranstaltungen sind für alle kostenlos. Wir wollen das Miteinander fördern“, erläutert Dr. Len Reichelt. Die Kulturkirche wird von der Hanns-Lilje-Stiftung, der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und vom Kirchenkreis Bremerhaven gefördert. Seit 2013 hat sie zahlreichen namhaften Künstlerinnen und Künstler aus Bereichen wie Installationen über Fotografie bis Malerei an der Hafenstraße einen Ort für ihre Ausstellungen und Performances gegeben.
Die Pauluskirche
Der neogotische Backsteinbau an der Hafenstraße 124 wurde am 19. März 1905 eingeweiht. Die neue Kirche war dringend nötig, da die Einwohnerzahl in Lehe Ende des 19. Jahrhunderts stark stieg und die Alte Kirche an der Langen Straße längst nicht mehr genug Platz bot. 1944 erlitt das Gebäude einen schweren Bombentreffer und stürzte teilweise ein. Bis 1953 wurde die Kirche wieder aufgebaut und neu eröffnet. Neben den Altarfenstern des Bremer Künstlers Heinz Lilienthal zählen die Orgel von Paul Ott und die Aussichtsplattform auf dem Kirchenturm zu ihren Besonderheiten.

