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Kühler Kopf statt nasser Füße: Wie du dein Haus vor Starkregen und Grundwasser schützt

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Der Winter an der Küste bringt nicht nur Wind und salzige Luft, sondern auch durchnässte Böden und hohe Grundwasserstände. Was jetzt harmlos scheint, kann im Frühjahr zur ernsten Gefahr werden. In Bremerhaven und Umgebung nehmen die Schäden durch Starkregen und steigendes Grundwasser zu. Wer frühzeitig vorsorgt, hält sein Zuhause trocken – auch wenn der Sommerregen kommt.

Tide, Torf und Tücken

Bremerhaven liegt tief. Große Teile der Stadt entstanden auf ehemaligem Marschland, durchzogen von Klei- und Torfschichten, die Feuchtigkeit speichern und Wasser nur langsam abgeben. In Stadtteilen wie Wulsdorf, Surheide und Lehe ist der Grundwasserspiegel in den letzten Jahren gestiegen, nachdem jahrzehntelang Wasser abgepumpt wurde. Dazu kommt das typische Küstenklima: milde Winter, aber zunehmende Regenmengen. Fachleute warnen, dass solche Extreme künftig häufiger auftreten. Für Hausbesitzer steigt damit auch die Gefahr, im Keller nasse Füße zu bekommen. Im Herbst 2023 fiel in Bremerhaven mehr als doppelt so viel Niederschlag wie üblich.

Die beste Zeit zum Handeln

Der Winter bietet die ruhigste Phase, um Schäden zu entdecken und Schwachstellen auszubessern, bevor die Gewittersaison beginnt. Ein Rundgang ums Haus genügt, um erste Risiken zu erkennen: Läuft das Gelände vom Gebäude weg ab? Schon ein leichtes Gefälle lässt Regenwasser sicher abfließen. Prüfe Dachrinnen und Fallrohre auf Verstopfungen – im Winter sammeln sich dort oft Laub und Sand. Regenwasser, das an der Fassade abläuft, findet schnell den Weg ins Mauerwerk. Auch Kellerfenster und Lichtschächte verdienen Aufmerksamkeit. Bei Starkregen kommt hier das Wasser oft zuerst ins Haus. Abdeckungen, Dichtungen oder erhöhte Aufsatzrahmen schaffen hier Sicherheit. Ebenso wichtig ist eine Rückstausicherung im Abwassersystem – sie verhindert, dass Wasser aus der Kanalisation ins Haus gedrückt wird.

Wie du nasse Wände trocken bekommst

Viele Bremerhavener Altbauten leiden unter feuchten Wänden. Die Ursachen sind vielfältig: undichte Abdichtungen, seitlich eindringendes Sickerwasser oder aufsteigende Feuchtigkeit. Bei leichten Fällen hilft oft eine Innenabdichtung mit Dichtschlämmen, die das Mauerwerk versiegeln. Bei stärkerem Wasserdruck führt allerdings kein Weg an einer Außenabdichtung oder einer funktionierenden Drainage vorbei. Gegen Feuchte von unten schützt eine nachträgliche Horizontalsperre, die das Wasser am Aufsteigen hindert.

Ein wertvolles Hilfsmittel ist die grundwasser- und geotechnische Planungskarte des Bremerhavener Umweltschutzamtes. Sie zeigt, wie hoch der Grundwasserspiegel in deinem Stadtteil liegt – und welche Bauweise dort am sinnvollsten ist.

Versicherung, Technik und gutes Raumklima

Nur etwa ein Fünftel der Hausbesitzer hat eine Elementarschadenversicherung – dabei sind Rückstau- und Überschwemmungsschäden längst keine Seltenheit mehr. Eine Erweiterung der Police lohnt sich, um im Ernstfall finanziell abgesichert zu sein. Auch Technik kann helfen: Wassermelder oder Smart-Home-Sensoren registrieren Feuchtigkeit frühzeitig und schlagen Alarm, bevor Schäden sichtbar werden. Und auch im Alltag gilt: richtig lüften und heizen. Gerade in den feuchten Wintermonaten sollte die Luft regelmäßig, aber kurz ausgetauscht werden – nicht dauerhaft gekippt, sonst dringt Feuchtigkeit ein.

Küstenklima verlangt kluge Planung

Wer in Bremerhaven baut oder saniert, muss mit dem Wasser leben – aber nicht in ihm. Neubauten profitieren von der „Weißen Wanne“ aus wasserundurchlässigem Beton. Für bestehende Gebäude gilt: Regelmäßige Wartung von Abdichtung, Drainage und Entwässerungssystemen ist die beste Investition gegen Feuchteschäden.

In Bremerhaven gehört das Wasser zum Alltag – ob als Regen, Nebel oder aufsteigendes Grundwasser. Doch Hausbesitzer können viel tun, um ihr Heim zu schützen. Wer jetzt, in den Wintermonaten, Dachrinnen reinigt, Lichtschächte abdichtet und Drainagen prüft, ist bestens gewappnet für die feuchte Jahreszeit. Denn wer im Winter vorsorgt, bleibt im Frühjahr trocken.

Checkliste gegen Feuchtigkeit

  • Geländegefälle vom Haus weg vorhanden?
  • Regenrinnen und Fallrohre sauber und frei?
  • Kellerfenster und Lichtschächte abgedichtet?
  • Rückstausicherung installiert?
  • Drainage funktionsfähig und regelmäßig gespült?
  • Versicherungsschutz für Rückstau und Überschwemmung enthalten?
  • Feuchtigkeitssensor oder Wassermelder im Keller vorhanden?

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