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Korbjagd auf Rädern: Rollstuhlbasketball bei Bremerhaven United

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Gleichzeitig Europa- und Weltmeister: der deutsche Basketball erlebt gerade einen Höhenflug. Weniger bekannt sind die Erfolge im Rollstuhlbasketball. Die Herren holten bei der Europameisterschaft 2025 in Sarajevo Bronze, die Damen liegen im Paralympics-Medaillenspiegel insgesamt auf Platz 2. Rollstuhlbasketball wird auch in der Seestadt gespielt. Das Team von Bremerhaven United trainiert für seinen Start in den Liga-Betrieb.

„Eine Herzensangelegenheit“ nennt Trainer Dilaver Berber sein Rollstuhlbasketball- Team. „Mein Vater saß selbst im Rollstuhl“, erläutert der Bremerhavener. Dilaver Berber spielt seit 30 Jahren Basketball und hat viele Mannschaften trainiert. Schon lange wollte er ein Angebot für Rollstuhlfahrer schaffen. Vor drei Jahren initiierte er es bei Bremerhaven United – als erstes Projekt dieser Art im Land Bremen.

Zwölf Spieler gehören inzwischen zum Team. Davon brauchen fünf abseits des Spielfelds keinen Rollstuhl. Mitspielen können Menschen mit und ohne Handicap, Frauen und Männer, Jugendliche und Senioren – die Sportart ist sehr inklusiv. „Alle trainieren zusammen, lachen zusammen und wachsen als Team. Das schafft neue soziale Kontakte, stärkt das Selbstvertrauen und fördert ein inklusives Miteinander, das weit über den Sport hinausgeht“, erklärt Dilaver Berber.

Basketball aus einer anderen Perspektive

Beim Training sitzt auch Dilaver Berber in einem Rollstuhl, damit er möglichst nah an der Realität seiner Spieler ist. „Die sind sehr schnell unterwegs. Ich bin meistens nach dem Aufwärmen schon geschafft“, erklärt der Trainer und lacht. Denn der Sport geht auf ganz andere Muskeln als die „Fußgänger-Variante“. Die Arme werden gleichzeitig durch das Antreiben des Rollstuhls und das Werfen belastet. Da haben Menschen, die jeden Tag im Rollstuhl unterwegs sind, einen Vorteil.

Die Wurftechnik ist außerdem komplett anders. Beim Standbasketball entsteht der Wurf aus der gesamten Körperbewegung, während im Rollstuhlbasketball vor allem Rücken und Arme gefordert sind. Das gleichzeitige Fahren erschwert die Ballkontrolle. Die Perspektive auf den 3,05 Meter hohen Korb und das Spielfeld verändert sich im Sitzen ebenfalls komplett. Sprungwürfe und Dunks fallen beim Rollstuhlbasketball weg. Dadurch ist die Spielart aber nicht weniger dynamisch. Fahrtwege werden blockiert, schnelle Pässe gespielt, unter dem Korb taktiert Das Regelwerk unterscheidet sich kaum vom Vorbild.

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Fotos Bremerhaven United

Gespielt wird auf einem regulären Basketballfeld. Zwei Teams à fünf Spielern treten in vier zehn Minuten langen Vierteln gegeneinander an. Wer den Ball führt, muss nach zwei Schiebekontakten dribbeln – sonst verstößt er gegen die Regeln. Das angreifende Team muss innerhalb von 24 Sekunden werfen. Der Sport braucht allerdings spezielle Rollstühle. Ihr Rahmen ist verstärkt, um den großen Belastungen standzuhalten. Ein Kippschutz verhindert Unfälle. Die Räder sind angeschrägt, damit sich die Spieler bei einem Zusammenstoß nicht die Finger klemmen. Zusätzliche Bügel schützen die Beine. Zehn dieser Rollstühle hat Bremerhaven United inzwischen angeschafft. „Das war eine finanzielle Herausforderung“, erinnert sich der Trainer. Eine einzige dieser Spezialanfertigungen kostet mindestens 3000 Euro. Unterstützung gab es vom Amt für Menschen mit Behinderungen in Bremerhaven und vom Hersteller.

Passende Trainingszeiten fehlen

Erste Spielerfahrungen haben die Sportler bereits gesammelt. 2024 trafen die Sportler bei einem von Bremerhaven United organisierten Benefiz-Spiel für die Deutsche Krebshilfe vor rund 250 Zuschauern auf die Rollstuhlbasketballer der Achim Lions. Auch Freundschaftsspiele gegen die „Fußgänger“ aus den anderen Teams von Bremerhaven United gehören zum Programm.

Die Rollstuhlbasketballer wären jetzt eigentlich bereit für den Ligabetrieb. „Wir haben eine sehr motivierte Mannschaft zusammen“, sagt Dilaver Berber. Allerdings gibt es Hindernisse: Einerseits fehlt es an Trainingszeiten in einer geeigneten Halle. Aktuell treffen sich die Spieler jeden Sonn- ROLLSTUHL-BASKETBALL Weltweit spielen rund 25.000 Menschen in 80 Ländern Rollstuhlbasketball. In Deutschland gibt es die erste und zweite Rollstuhl-Basketball-Bundesliga, drei Regionalligen, fünf Oberligen und vier Landesligen. Rund 2500 Männer und Frauen sind hierzulande in der Sportart aktiv. tag um 16 Uhr in der Schule am Ernst-Reuter- Platz. Mindestens einen zweiten Termin pro Woche bräuchten sie laut Trainer, um fit für Liga-Spiele zu sein. Doch auch nach langer Suche und vielen Gesprächen ist dafür noch kein Raum gefunden.

Andererseits bedeuten Liga-Spiele einen großen logistischen Aufwand. In der Landesliga spielen zum Beispiel Teams aus dem Emsland, Osnabrück und Hamburg. Weite Fahrten, für die außerdem Transporter mit genug Platz für die Rollstühle benötigt werden. Hier suchen die Bremerhavener noch nach Sponsoren. Das Team hofft, im kommenden Jahr endlich richtig durchstarten zu können – und diese besonders inklusive Sportart dauerhaft in der Seestadt zu etablieren.

Bremerhaven United

  • Sportarten: Fußball, Basketball, Rollstuhlbasketball, Linedance
  • Gegründet im Jahr 2015
  • Vereinsfarben: Schwarz, Weiß, Gold
  • Vereinssitz: Wurster Straße 204

www.bremerhaven-united.de

Rollstuhl-Basketball

Weltweit spielen rund 25.000 Menschen in 80 Ländern Rollstuhlbasketball. In Deutschland gibt es die erste und zweite Rollstuhl-Basketball-Bundesliga, drei Regionalligen, fünf Oberligen und vier Landesligen. Rund 2500 Männer und Frauen sind hierzulande in der Sportart aktiv.

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