Bei den Fischtown Ladies trifft norddeutscher Biss auf echte Eishockeyliebe. Die Geschwister Laura und Rebecca Dittmann sind ein Teil dieser Geschichte – Rebecca (24) als Stürmerin, Laura (30) als Mannschaftskapitänin und 2. Vorsitzende des Vereins. Im Interview erzählen die Schwestern, wie sie zum Eishockey kamen, was Social Media für ihr Team verändert hat und warum ihr Sport in Bremerhaven trotz steigender Aufmerksamkeit noch immer auf dünnem Eis steht.
Rebecca, Laura, wie kamt ihr zum Eishockey?
Laura: Bei mir kam das über die Schule. Als ich in der 6. Klasse war, gab es ein Projekt namens „Schule und Eishockey“, um die Kinder an den Sport heran zu führen. Und da unser Vater damals schon ein großer Eishockey-Fan war, fand ich das cool. Im Projekt habe ich dann an den Nachmittagen angefangen, Eishockey zu spielen. Etwa um die gleiche Zeit wurde auch die Frauenmannschaft wieder ins Leben gerufen und ich wurde vom Trainer angesprochen, ob ich mitmachen möchte.
Rebecca: Ich bin durch Laura dazu gekommen. Ich habe mitverfolgt, wie sie im Verein spielt. Ich bin als kleiner Fan mit den Fischtown Ladies mitgefahren und so quasi auch mit der Frauenmannschaft aufgewachsen. Angefangen habe ich auch mit „Schule und Eishockey“.
Wie habt Ihr die Entwicklung im Damen-Eishockey in den vergangenen Jahren erlebt?
Laura: Als ich anfing, habe ich da noch gar nichts von mitbekommen, außer vielleicht von der Frauen-Nationalmannschaft. In den letzten Jahren ist es aber viel präsenter geworden und wird mehr wahrgenommen, zum Beispiel dadurch, dass Spiele jetzt via Internet übertragen werden und auch mehr Werbung dafür gemacht wird. Rebecca macht auch die Insta-Seite und dadurch, dass wir da so aktiv sind, haben wir den Fokus aufs Frauen-Eishockey schon ein bisschen gefördert.
Wie würdet ihr eure Mannschaft in drei Worten beschreiben?
Rebecca: Ich muss kurz überlegen (schmunzelt)… laut, ich würde schon sagen familiär und durchmischt, vom Alter her.
Mit den Fischtown Pinguins hat
Bremerhaven eine Spitzenmannschaft,
die auch europäisch spielt.
Ist das für euch eher eine Belastung oder ein
Vorteil?
Laura: Ich würde sagen, sowohl als auch. Die meisten denken, wir sind ein Verein und von den Sponsoren, die zur Profi- Mannschaft kommen, kriegen wir dann auch was ab. Aber der REV ist nur der Stammverein, die Fischtown Pinguins sind eine eigenständige GmbH. Aber ich glaube schon, dass ein paar Sponsoren so auch auf uns aufmerksam werden.
Zuletzt war ja ein großes Thema, dass die Nachwuchsarbeit in Gefahr ist, weil das Fördergeld aus der Stadtkasse fehlt. Befürchtet ihr, dass auch für das Frauen- Eishockey in Bremerhaven Schluss sein könnte?
Laura: Ohne Förderung von der Stadt können wir den Vereinsbetrieb und den Spielbetrieb nicht aufrechterhalten, das muss man so klar sagen. Der Verein könnte natürlich die Mitgliedsbeiträge erhöhen bis ins Unermessliche, aber dann wandern die Mitglieder auch in großer Zahl ab. Deshalb sind wir schon auf die Sportförderung und auf Sponsoren, Spenden oder ähnliches angewiesen.
Wie ist generell das Verhältnis zum Profibereich? Gibt es von dort Impulse oder Unterstützung?
Laura: Ich nehme oft wahr, dass der Stammverein da sein muss, damit die Profis bestehen können. Die Profis helfen zum Beispiel bei den Kids‘ und Girls‘ Days aus und sind dann mit auf dem Eis. Aber ich sehe das schon eher als eine Art Pflichtprogramm und weniger eine konstruktive Zusammenarbeit.

Im Februar fand in Bremerhaven das Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2026 statt. Wie habt ihr an diesen Tagen erlebt und hat das für euch einen nachhaltigen Effekt gehabt?
Rebecca: Wir haben uns natürlich riesig gefreut und haben auch ein Spiel als Mannschaft zusammen besucht. Auswirkungen auf uns habe ich jetzt so erstmal nicht wahrgenommen. Aber ich denke schon, wenn so etwas nach Bremerhaven kommt, werden einige Mädels auch noch aufmerksamer auf diesen Sport. Es bringt sicherlich immer was Positives mit sich.
Laura: Ich fand es auf jeden Fall schön zu sehen, dass die Nationalmannschaft in Bremerhaven war und wir sie mal live sehen konnten. Und ich denke schon, dass Frauen-Eishockey dadurch präsenter wird und vielleicht bei kleinen Mädels die Lust am Sport noch mehr weckt.
Was braucht es, damit Frauen-Eishockey in Bremerhaven wachsen kann?
Laura: Auf jeden Fall mehr Trainingszeiten, um das Team zu festigen und besser zu werden. Dazu ist dann aber auch eine zweite Eisfläche nötig, weil wir einfach zu viele Mannschaften hier haben. Wir haben auch viele Anfragen von Mädels, die gern mal mittrainieren wollen, so dass man womöglich auch noch eine zweite Mannschaft aufmachen könnte – wenn es die Eiszeiten denn hergeben würden. Aber das ist momentan leider utopisch.
Wie schafft ihr es sonst, junge Mädchen ans Eishockey heran zu führen? Oder rennen die euch schon die Bude ein?
Rebecca: Auf jeden Fall durch Social Media! Seit wir auf Insta und Tik Tok präsent sind, ist es für viele Mädels einfacher, an uns heranzutreten, das merkt man schon. Der Sport wird dadurch auch nahbarer, weil man mal hinter die Kulissen schauen kann. Auch durch unseren Girl’s Day, den wir immer sehr groß und intensiv planen, haben wir schon viele Mädels motiviert, sich den Sport mal genauer anzugucken.
Was ist euer Ziel für diese Saison?
Laura: Wir sind von der Leistung her noch eine sehr durchmischte Mannschaft und unser Ziel ist auf jeden Fal, als Team zusammenzuwachsen und entsprechend zu spielen. Wir müssen uns da erstmal fangen, kann man so sagen. Unser Ziel geht auf jeden Fall in Richtung Tabellenspitze. Ob das so umsetzbar ist, werden wir sehen.
Und wo seht ihr euch und den Verein sportlich in fünf oder zehn Jahren?
Laura: Das kommt darauf an, wie es in Zukunft weiter geht. Momentan können wir mit unseren Trainingszeiten nicht richtig auf Leistung gehen. Wenn es so bleibt wie jetzt, werden wir wahrscheinlich in der Liga bleiben und uns keine hohen Ziele stecken können. Mit einer zweiten Eisfläche würde das natürlich anders aussehen. Es kommen auch viele Mädels aus dem Nachwuchs nach, die zum Teil spielen, seit sie vier Jahre alt sind. Da wäre das Potenzial schon da, eine richtig leistungsstarke Mannschaft aufzubauen.
Der Gedanke, sich nicht weiter entwickeln zu können, weil die Strukturen es nicht hergeben, wäre wahrscheinlich auch ziemlich frustrierend, oder?
Beide: Auf jeden Fall. Definitiv.
Wenn ihr euch für den Verein etwas wünschen könntet – egal ob realistisch oder völlig utopisch – was wäre das?
Laura: In erster Linie die zweite Eisfläche, damit könnten wir ganz viel bewirken. Und natürlich auch, dass der Sport präsenter wird und Frauen-Eishockey noch mehr in den Fokus rückt und weiter gefördert wird.
Rebecca: Da schließe ich mich an. Die zweite Eisfläche ist eigentlich unumgänglich. Und definitiv, dass wir noch viele Mädels begeistern können, mit Eishockey anzufangen.
Laura und Rebecca, vielen Dank und viel Erfolg für die Saison!
Kurz & knapp: Rebecca Dittmann
- Meine Stärken: (Trainer Marvin Fruck schmunzelnd von hinten: Überleg dir genau, was du sagst!) Organisation, Social Media, außerdem bin ich auch ein bisschen für die gute Laune da.
- Meine Schwächen: Laut, die Rückwärtsbewegung auf dem Eis und hinnehmen, was der Trainer sagt.
- Mein Lebensmotto: Alles kann, nichts muss.
- Das mag ich besonders an Bremerhaven: Eishockey
- Was ich unbedingt noch machen will: Erster werden in der Liga. Vorher höre ich nicht auf (lacht).

