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Dustin Klepper und Pascal Nobereit von neuraflow. Foto neuraflow
Bremerhavener Startup neuraflow erschafft digitale Helfer

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Kontakte mit Behörden verbinden viele Menschen mit Bürokratie, komplizierten Vorgängen und langen Wartezeiten. Das junge Bremerhavener IT-Unternehmen neuraflow hat sich zur Aufgabe gemacht, das zu ändern. Seine Gründer Dustin Klepper und Pascal Nobereit – beide 23 Jahre alt – nutzen künstliche Intelligenz (KI), um Abläufe in Verwaltungen zu automatisieren. Mehr als 100 Kommunen arbeiten bereits mit ihnen zusammen.

Wer auf www.bremerhaven.de, die Website der Stadtverwaltung geht, kann mit Hein Mück ins Gespräch kommen. Dieser automatisierte Chatbot stellt sich selbst als „Assistent der Stadt Bremerhaven“ und „freundlichen, allwissenden Verwaltungsangestellten“ vor. Ihre Fragen können die Nutzer einfach in ein Textfeld eingeben oder einsprechen. Hein Mück ist einer der von neuraflow erstellten Chatbots.

Geschäftsführer Dustin Klepper hat ihn selbst gerade erst genutzt, um sich innerhalb der Stadt umzumelden. Er fragte ihn, wie das in Bremerhaven funktioniert. „Ich hatte innerhalb von zehn Sekunden meine Antwort und musste mich nicht durch die Website navigieren oder bei der Verwaltung anrufen“, berichtet er. Ummelden geht inzwischen sogar komplett online und ohne Behördengang – ein Paradebeispiel für gelungene Digitalisierung in der Verwaltung. „Da muss sich kein Mensch drum kümmern und die Angestellten haben mehr Kapazitäten für andere Aufgaben“, ergänzt Dustin Klepper.

Chatbots bearbeiten mehr als 80.000 Anfragen

Hein Mück hat inzwischen deutschlandweit viele von neuraflow erstellte digitale Kollegen. Unter anderem in Bonn, Rostock, Bergisch Gladbach, Moers und Herford. In mehr als 100 Kommunen haben diese Chatbots über 80.000 Anfragen bearbeitet. Mittlerweile geht das nicht nur über die Website, sondern zusätzlich telefonisch. Ihre Antworten sucht sich die KI aus den digitalen Datenquellen der Verwaltungen, aus Veranstaltungskalendern und Newslettern. Deshalb weiß Hein Mück zum Beispiel auch, was heute im Stadttheater gespielt wird und ob es interessante Konzerte in der Stadt gibt.

„Unsere Kunden sind zwar die Kommunen, wir dienen aber dem Bürger“, erklärt Dustin Klepper. Der Chatbot sucht nicht nur Antworten auf die eingegebenen Fragen, sondern ergänzt zusätzliche Informationen. „Wenn zum Beispiel jemand fragt, was die Anmeldung eines Hundes kostet, ergänzen wir, wo und wie der Hund angemeldet werden kann“, ergänzt er.

Gründung aus der Hochschule heraus

Ihr erster Chatbot hat im September 2023 seine Arbeit in der Stadt Nettetal am Niederrhein aufgenommen, erinnern sich die beiden Gründer. Idee und Konzept für ihr Unternehmen entstanden im Rahmen des Studiengangs „Gründung, Innovation, Führung“ an der Hochschule Bremerhaven. Dort lernten sich Dustin Klepper und Pascal Nobereit kennen, wurden Freunde und schließlich Kollegen. Heute ist KI durch die weitverbreitete Nutzung von ChatGPT überall Thema, 2023 begann der Boom gerade erst. „Damals war das super neu. Wir haben einen Fuß in die Tür bekommen, indem wir die Technologie verteilt haben. Heute wollen wir uns abheben, indem wir wirklich Innovator sind“, erläutert Pascal Nobereit. Er konzentriert sich bei neuraflow auf die technischen Aspekte.

Die ersten Anwendungen machten den Nutzen von KI-Assistenten schnell deutlich und immer mehr Kommunen zogen nach. 2024 folgte aus dem Studium heraus die Firmengründung. Heute arbeiten 16 Menschen für neuraflow – fest angestellt oder freiberuflich. „Die Firma ist zusammen mit der Zahl der Auftraggeber und den Aufgaben gewachsen“, fasst Dustin Klepper zusammen. Er sieht noch Raum für viel mehr Wachstum.

Ziel: Verwaltungen neu aufbauen

Büro in Berlin und engagiert sich dort am GovTech Campus, einer Kooperation des Innenministeriums, der Bundesländer sowie Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Ziel von GovTech ist es, öffentliche Verwaltungen zu modernisieren und Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen einfacher zu gestalten. „Mit der Technik von heute lässt sich schon sehr vieles machen. Es liegt am politischen Willen und auch am Mindset“, sagt Pascal Nobereit.

Denn bisher hilft neuraflow nur dabei, schon bestehende Prozesse in den Verwaltungen zu verbessern. „Gerade machen wir Bürokratie ja nur etwas leichter. Wir wollen Strukturen in den Verwaltungen aber von Grund auf neu aufbauen und Prozesse automatisieren“, kündigt Pascal Nobereit an. Ziel sei es, dass die KI ganze Abläufe in der Verwaltung übernimmt und anschließend ein Mitarbeiter nur kurz nachprüft, ob alles korrekt ist. Das könnte nicht nur Behördengänge beschleunigen, sondern auch viel Steuergeld einsparen.

Für diesen nächsten Schritt braucht es Expertise und enge Vernetzung mit den Verwaltungen. Genau wie die künstliche Intelligenz lernt das junge Unternehmen mit jeder Anfrage. Die bereits gut angenommenen Chatbots bei den Kommunen schaffen Vertrauen in die Arbeit von neuraflow für größere Projekte. „Wenn wir die Bürokratie in Deutschland ein bisschen abbauen können, dann sind wir wirklich Teil von etwas Wichtigem“, erklärt Dustin Klepper seine Motivation.

www.neuraflow.de

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