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Vania und Andreas Brendel
Heimathaven Piccolo: Vania und Andreas Brendel übernehmen das Piccolo Haventheater

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Wer das Piccolo Haventheater in der Alten Bürger nach seiner Wiedereröffnung betritt, merkt schnell: Hier hat sich etwas verändert. Die Bühne ist ein Stück größer geworden, die Bar wirkt einladender, der Eingangsbereich heller. Vieles ist neu, manches fällt erst auf den zweiten Blick auf. Und genau so sollte es sein. Das traditionsreiche Zimmertheater hat sein Gesicht behutsam verändert, ohne seinen vertrauten Charme zu verlieren.

Verantwortlich dafür sind Vania und Andreas Brendel. Die beiden Schauspieler haben das Piccolo Ende August übernommen und sich damit einen Traum erfüllt. „Irgendwann einmal ein eigenes kleines Theater“ – dieser Gedanke begleitete sie bereits während ihrer Zeit in Bremen und davor in Berlin. Als ihr langjähriger Weggefährte Daniel Meyer-Dinkgräfe ankündigte, sich aus seinem Theater zurückziehen zu wollen, fügte sich plötzlich alles zusammen.

Dabei sind Vania und Andreas für das Publikum längst keine Unbekannten. Seit sieben Jahren stehen sie regelmäßig auf der Piccolo-Bühne, spielen Komödien, führen Regie und entwickeln eigene Produktionen. Und doch beginnt für die Brendels damit auch ein völlig neues Kapitel. Jahrelang führten sie das typische Leben freischaffender Schauspieler: Engagements in ganz Deutschland, Nebenjobs, um den Traumberuf finanzieren zu können. Heute wohnen sie nur wenige Gehminuten vom Theater entfernt. „Zum ersten Mal haben wir das Gefühl, angekommen zu sein“, beschreibt Andreas Brendel dieses neue Lebensgefühl.

Dass ausgerechnet Bremerhaven einmal ihre Heimat werden würde, hätten sie selbst nicht erwartet. Umso größer war die Überraschung. „Der Ruf wird der Stadt überhaupt nicht gerecht“, sagt Vania Brendel. Statt Distanz erlebten sie offene Türen – bei Nachbarn ebenso wie bei Gastronomen, Kulturschaffenden und der Wirtschaftsförderung. Gerade in der Alten Bürger, wo Kultur, Gastronomie und Kreativszene Tür an Tür liegen, hätten sie vom ersten Tag an das Gefühl gehabt, willkommen zu sein.

Diese Offenheit unterscheide Bremerhaven spürbar von den Erfahrungen, die beide zuvor in Berlin und Bremen gemacht haben. Dort sei die Kulturszene größer, aber oft auch anonymer und von Konkurrenz geprägt. In Bremerhaven dagegen ziehe man an einem Strang.Für die Brendels ist das einer der Gründe, warum das Piccolo weit mehr als nur ein neuer Arbeitsplatz geworden ist.

Auch auf der Bühne setzen die neuen Leiter auf dieses Prinzip: Bewährtes erhalten, Neues behutsam ergänzen. Das Publikum darf sich weiterhin auf die beliebten Komödien freuen, für die das Piccolo seit Jahren bekannt ist. Gleichzeitig bringen die Brendels ihre eigene Handschrift ein. Kriminalstücke bekommen künftig einen festen Platz im Spielplan. „Der Erfolg unserer Krimikomödie in der letzten Spielzeit hat uns gezeigt, dass auch die Bremerhavener die spannende Unterhaltung mögen“, sagt Andreas Brendel. Live-Musik soll häufiger Teil der Inszenierungen werden und musikalische Biografien berühmter Künstler neue Zielgruppen ansprechen. Im kommenden Frühjahr ist außerdem an einzelnen Wochenenden Kindertheater geplant.

Nur ein Meter zwischen Bühne und Publikum

Das Piccolo soll bleiben, was es immer war: ein Ort für unterhaltsames Theater mit Herz – nur mit einer persönlichen Note der neuen Leitung. „Die Bremerhavener brauchen keine Angst zu haben, dass hier plötzlich ganz modernes, abstraktes Theater gespielt wird, mit Schlamm und Blut oder so“, sagt Andreas Brendel schmunzelnd. Seinen größten Reiz verliert das Haus ohnehin nicht. Gerade einmal einen Meter trennen Publikum und Bühne. Schauspieler und Zuschauer erleben den Abend gemeinsam – fast wie in einem Wohnzimmer.

Hinter den Kulissen sieht der Alltag allerdings weniger romantisch aus. Zwischen Proben und Vorstellungen stehen Steuerunterlagen, Ausschankgenehmigungen, Spielpläne, Technik, Werbung und unzählige Formulare. „Eigentlich macht man vier Berufe gleichzeitig“, sagt Andreas Brendel. Neben Gastspielen im Cuxland und einem modernen Online-Ticketverkauf arbeitendie Brendels auch an einem besonderen Projekt für das 200-jährige Stadtjubiläum: Ein eigens geschriebenes Theaterstück soll zurück ins Bremerhaven der 1950er-Jahre führen – in die Zeit von Rock’n’Roll, GIs und Aufbruchsstimmung.

www.haventheater.de

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